Welche App kann das schon? – Ein Erfahrungsbericht

Welche App kann das schon? – Ein Erfahrungsbericht


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Christian S. ist enthusiastischer Streetspotr, der mit viel Freude die App nutzt. In seinem Erfahrungsbericht möchte er seine Erlebnisse mit euch teilen und erklärt ganz nebenbei, wofür die Faustregel 1-7-30 steht, warum man sich manchmal wie ein Räuber fühlt und wie neue Freundschaften entstehen können.

Alles fing Ende März 2012 an. Ich las das erste Mal von einer dieser cleveren Start-up-Ideen, die das Smartphone zunehmend unentbehrlich machen. Geld verdienen im Vorbeigehen per “Microjob” mit Schnitzeljagdfeeling. Streetspotr.

Ich liebe so einen Kram. Doch zunächst überwog der Zweifel, ob die Auszahlungen klappen, ob meine Daten sicher sind, ob es auch genügend Jobs gibt. Die Enttäuschung war groß, als ich auf der Homepage las, dass Streetspotr damals nur in Berlin, Hamburg, München, Nürnberg Spots anbot. Zum Glück kamen aber schon Anfang April neben anderen Städten auch Frankfurt hinzu. Noch in derselben Nacht erledigte ich in meiner Küche den ersten Testspot – es sollte der bequemste aller meiner Spots bleiben.

Ein erster Blick auf die Karte zeigte mir, dass ich umzingelt von sogenannten “Speis-o-grafiert“-Spots zu 1,50 € war. Also nutzte ich einen Spaziergang am darauffolgenden Tag, um die ersten vier Restaurants und deren Speisekarten abzulichten. Dabei war die erste Hürde, alle Aufgaben zu verstehen und gute Fotos zu machen. Der nächste Schritt war, die Spots vom Streetspotr-Team in Nürnberg akzeptieren zu lassen. Das währte aber nur zwei Tage, dann poppte bereits auf meinem Display ein “Spot angenommen” auf.

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Nun war ich euphorisiert und las mir alle Erklärungen zu diesem neuen Miniverdienstkosmos durch (unter www.streetspotr.com/de/faq – nur zu empfehlen). Dort erfuhr ich, dass nur 5 Spots parallel pausierbar sind, dass man sie im WLAN hochladen kann und dass es einen Monat bis zum ersten Geld dauern kann. Ob das ganze also schöndesignter Nepp ist, würde sich erst am Tag der Auszahlung zeigen.

Doch sie kam! Nach drei Wochen. Und dann innerhalb von zwei weiteren Wochen drei weitere Auszahlungen, da ich in der Zwischenzeit vorsichtshalber schon mal weitergespotet hatte. 31 € wurden es so insgesamt im ersten Monat. Für einen sogenannten Microjob ein schöner Schnitt. Statt Nepp also Lieblingsapp – ich war sowieso längst dem Spotjagdfieber verfallen.

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Viele Badge-Abzeichen wollten errungen und StreetPoints gesammelt werden, u.a. um die pausierbaren Spots von 5 auf 20 anzuheben. Und dann gab es ja noch diese prangenden ROTEN SCHLÖSSER, die mich seit Spot-ing-Beginn auf der Karte ärgerten: 2,50 € fürs Testen des WLAN-Netzes der Zentralbibliothek. Ja, ihr alten Ranglistenhasen-Kollegen, richtig gelesen. Damals gab es auch WLAN-Testspots GEGEN GELD. Die musste ich haben. Also fing ich an, einige Telekomspots für lau zu machen und die Bedingung von 1.000 StreetPoints zur Spotannahme zu erfüllen. Die vier roten Schlösser in Frankfurt gehörten bald nur noch der Vergangenheit an.

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Ab da gehörte Streetspotr zu meinem Alltag. Es folgten Displaychecks, lukrative Heldenhaft-Spots, App-Tests, bezahlte Umfragen, Baustellenchecks und zwischendurch immer wieder meine Freunde, Speis-o-grafiert-Spots. Nach einem halben Jahr aber kam ein echter Höhepunkt: Das erste Mystery-Shopping. 12 € sollten man bekommen, wenn man sich als Trompetenkäufer in einem Musikgeschäft ausgibt und sich ausgiebig beraten lässt. Der Spot lag am Stadtrand und prangte seit gestern lecker wie ein kleines Dessert am Kartenrand. Ich ging unruhig zur Arbeit, immer wieder die Map überprüfend, ob der Spot schon von einem anderen Streetspotr weggeschnappt sei. Aber nein, auch nach der Arbeit stand der Pin mutterseelenallein im Industriegebiet herum. Also sprang ich eilig in die nächste Straßenbahn und las mir nochmals ausführlich die Spotbeschreibung und die einzelnen Aufgaben durch. Noch in der Bahn nahm ich vorbeifahrend den Spot an, jede Sekunde zählte schließlich. Etwas nervös stolperte ich in den Laden und gab etwas ungelenk vor, Trompete lernen zu wollen. Es gab viel zu beachten und merken, z.B. sollten Fotos vom Schaufenster gemacht werden.

 

Es dauerte nur 20 Minuten, dann war alles zusammengetragen. Wie ein Räuber nach Beutezug saß ich in der Bahn auf dem Weg nach Hause und begann ausführlich die Aufgaben zu bearbeiten. Das Ergebnis meiner Mühe: Ich bekam schließlich meinen bisherigen Höchstverdienst. Ein Glücksfall, denn danach sollte ich noch öfter in Bahnen, Bussen, auf Fahrrädern in Richtung mir noch unbekannter Stadtteile sitzen und Spot-Pins währenddessen beim Verschwinden zusehen…

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Das ist ein weiterer Teil der Streetspotr-Idee: Man kommt an Orte, die man nie zuvor besucht hätte und lernt ganz nebenbei die Stadt kennen. Sogar soweit, dass ich irgendwann alle restlichen “0er”-Spots von der Karte haben wollte, um neue Bezahlspots besser sehen zu können. Ein gewisser Wolfgang L. im Forum hatte es vorgemacht und ich dachte: “Das kann ich auch.” West, Nord, Ost waren bald abgegrast, insgesamt etwa 150 x 0€-Spots, die aber das StreetPoints-Konto anschwellen ließen. Eines Tages latschte ich nun eine extrem langweilige Straße in Niederrad zwischen zwei 2 km voneinander entfernten Spots entlang, als mir besagter Wolfgang schrieb (der inzwischen sogar meine Freundschaftsanfrage angenommen hatte), dass er gerade über Niederrad fahre. Treffen? Wir schrieben über die “Nachrichten”-Option hin und her und wenig später saßen wir in einer Bäckerei zusammen und tauschten uns über Verbesserungen und den Spaß am Spot-en aus – mein erstes Streetspotr-Treffen! Punkt Drei also: Leute kennenlernen, ein Hobby teilen.

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Anstrengend war in dieser Zeit, dass nach jedem der zahlreicher werdenden Fernsehbeiträge der Erfolgsidee Streetspotr massenhaft ungeduldige neue Streetspotr trotz Foreneinträgen, Test-Spot und FAQ schon am groben Ablauf des Spot-en scheiterten. Um es auch den “Isch-teste-dem-Kackapp-schon-5-Minuten-drück-da-rum-warum-kommt-kein-Geld-raus” – Hetzenden klarzumachen, brachte ich aus Frust im Forum die Wartezeiten auf die einfache Faustregel „1-7-30“: Einen Tag hast du Zeit, den pausierten Spot abzuschließen, dann prüfen Streetspotr und die Auftraggeber 7 Tage deine Spotergebnisse, ab da dauert es bis zu 30 Tage, bis das Geld auf ein (kostenloses) PayPal-Konto ohne Abzug ausgezahlt wird. 1 Tag, 1 Woche, 1 Monat – ganz leicht zu merken. 30 Tage warten? Betrug? Kackapp? Freunde, ist das bei JEDEM anderem Arbeitgeber nicht genauso? Es funktioniert. Wartet ab.

Anfang des Jahres rückte eine weitere Seite der App in den Vordergrund: Ich wollte mich endlich in der Rangliste verewigen! Die meisten Badges waren erreicht, Frankfurt buchstäblich LEER und es gab seit einigen Wochen eine totale Spotflaute. Auch das muss man aushalten können ohne gleich an Streetspotr zu zweifeln oder Polemiken im Forum zu verbreiten. Mit Müh und Not steuerte ich auf die 9.000 Punkte zu – der damalige Rang 20 – und damit der Einstieg in die Rangliste. Doch dann preschte ein gewisser Christian F. an mir vorbei und verschob den Einstieg auf 11.000 Punkte. Na toll, unerreichbar in einer punktlosen Stadt.

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Da kam zum Glück ein Arbeitsangebot aus Berlin. Genial – tagsüber arbeiten, abends spot-en gehen. Da ich die Stadt unvorstellbarer Weise kaum kannte, erlief ich mir die Bezirke größtenteils zu Fuß und lernte die langen Ausfallstraßen und endlosen Alleen Kreuzbergs, Dahlems, Weddings, Potsdams, Pankows, Neuköllns etc. kennen, auf denen die Spots nicht immer so nah zusammenlagen, wie anfangs gedacht. Gut für die Figur: 10 bis 20 km am Tag kamen so zusammen. Berlin ist groß. Dort lagen etwa 28.000 Punkte auf der Straße und fast alle habe ich mit Blasen an den Füßen heimgebracht. Nebeneffekt: Die Hauptstadt kenne ich jetzt wie meine Westentasche, was manche Neuberliner, mit denen ich mich auf meinen Wanderungen unterhalten habe, nach einem Jahr noch nicht von sich behaupten können.

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Ergebnis nach knapp 18 Monaten Streetspotr: Platz 4 der Rangliste…noch! Na warte: Christian F. ;-))… 920 abgeschlossene Spots, Frankfurt und Berlin leer gespotet, einen Pauschalurlaub, jede Menge iPhone-Zubehör, viele Menschen kennengelernt, ein Streetspotr-T-Shirt und einen OBI-Gutschein abgestaubt, lecker gegessen, viel gereist und viel gesehen. Alles wegen Streetspotr.

Und jetzt mal ehrlich, Leute:

Welche App in Eurem Smartphone kann das schon?

2 Comments

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  1. 1
    David

    Hallo Manfred, anfangs wurden bei einigen die ersten Spots abgelehnt. Davon solltest du dich nicht entmutigen lassen. Um für die App und den Anforderungen ein Gefühl zu bekommen, muss man sich ein wenig ausprobieren. In deinem Falle wird dies mit deiner Vorerfahrung bestimmt schneller gehen. Speziell bei den Speisekartenbildern gibt es gerne mal Probleme mit den Lichtreflektionen vom Glas. Normalerweise kommentiert unsere Qualitätssicherung die Ablehnung auch. Werfe hier mal einen Blick rein warum der Spot abgelehnt wurde. Tipp: Viele nützliche Infos findest du auch in den FAQ oder direkt von anderen Usern in den StreetNews. Hier findet ein täglicher Austausch statt.

  2. 2
    Manfred

    Euphorie pur , wer schreibt soetwas.
    Also ich habe mich angemeldet einen Spot probehalber gemacht —
    prompt wurde der Spot abgelehnt.
    Dazu muss ich sagen das ich nebenbei Testkäufe und Checks erledige – habe also ausreichend
    Erfahrung auf diesem Gebiet und bestimmt taugliche Bilder hochgeladen und die geforderte Speisekarte komplett fotografiert.
    Bin ich der einzige der solch negative Erfahrungen sammeln konnte ???

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